Ich lese …
Ein humorvoller kleiner Roman über den Literaturbetrieb: Markus Orths: Hirngespinste. Schöffling 2009 (***)
Peter Henning: Die Ängstlichen. Aufbau 2009 (***), ein groß angelegter, überzeugender Familienroman, die Mitglieder der Familie Jansen haben vor allem Angst, vor dem Leben, dem Tod, vor Krankheiten, vor dem Allein-Sein, vor der Liebe, …
Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger. Klett-Cotta 2009 (***), ein anspruchsvoller Krimi, voller Allegorien und Anspielungen, eher für geübte Leser/innen.
Nachdem ich mich vergeblich mit Alan Paul: Die Vergangenheit (*) abgemüht habe (ich bin einfach nicht in das Buch hineingekommen!!), war folgender Roman eine Entdeckung: John Burnside: Glister. Knaus 2009 (****): ein düsteres Buch, sprachlich hervorragend!
David Nicholls: Zwei an einem Tag. Kein & Aber 2009 (**), zur Abwechslung eine witzige Liebesgeschichte.
Stephan Thome: Grenzgang. Suhrkamp 2009 (****), ein beeindruckendes Debüt, ausgezeichnet mit dem aspekte-Literaturpreis 2009!
Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht. Kiepenheuer & Witsch 2009 (****), eine Frau erwacht im Krankenhaus aus dem Koma, sie kann nicht mehr sprechen. Aus der Perspektive der Frau erleben wir die Rückkehr ins Leben: beeindruckend, und sprachlich hervorragend!!! Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2009
Helmut Krausser: Einsamkeit und Sex und Mitleid. DuMont 2009 (***), unterschiedlichste Menschen treffen sich in Berlin, rasant erzählt, ohne Tabus, aber hart an der Grenze zur Kolportage!
Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt. S.Fischer 2009 (**), ein Mann erinnert sich in New York an eine Liebe, die zu Ende gegangen ist. Das Thema hat mich eher kalt gelassen; überzeugt hat mich die präzise Sprache des Autors!
Anne Enright: Alles was du wünschst. Erzählungen. DVA 2009 (***), die 19 Erzählungen der Booker-Preisträgerin kreisen um das schwierige Verhältnis zwischen Mann und Frau und vor allem um die Frage, was Männer wünschen.
David Wagner: Vier Äpfel. Rowohlt 2009, (***), Ein Mann kauft im Supermarkt 4 (Südtiroler) Äpfel, beim Gang durch den Supermarkt erinnert er sich an seine Geliebte, die ihn verlassen hat. Der Roman überzeugt durch seinen ironischen Erzählstil und die Beobachtungsgabe des Autors.
Edward St.Aubyn: Muttermilch. DuMont 2009 (***), bitterböse wie alle Romane des englischen Autors!
Ralf Bönt: Die Entdeckung des Lichts. DuMont 2009 (***), die Lebensgeschichte des Physikers Faraday, gut recherchiert, flüssig erzählt.
David Grossman: Eine Frau flieht vor einer Nachricht. Hanser 2009 (****), ein beeindruckender Roman über eine Frau im Israel von heute und die alltägliche Bedrohung durch den Krieg.
Ulla Hahn: Aufbruch. DVA 2009, (****), nach dem großen Erfolg von „Das verborgene Wort“ nun die Fortsetzung der Lebensgeschichte von Hilla; im Mittelpunkt stehen die 60er Jahre und Hillas Weg zu einer emanzipierten jungen Frau; episch breit erzählt, ein Roman für lange Abendstunden!
Sibylle Berg: Der Mann schläft. Hanser 2009 (***), eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, ohne Pathos, schnörkellos und mit einer Prise Bosheit erzählt, sprachlich sehr überzeugend.
Folgende zwei Romane sind für den Deutschen Buchpreis 2009 nominiert:
Herta Müller: Atemschaukel. Hanser 2009 (****), beeindruckend und absolut zu empfehlen!! Endlich ein Roman, der auch sprachlich hervorragend ist.
Norbert Scheuer: Überm Rauschen. C.H. Beck 2009 (***), ein Familienroman aus der Eifel.
Thomas Glavinic: Das Leben der Wünsche. Hanser 2009 (**): Jonas, den wir aus „Die Arbeit der Nacht“ kennen, darf drei Wünsche äußern. Ich gestehe, ich bin nicht recht schlau geworden aus dem Buch: es hat mich nicht hineingezogen, außerdem fand ich es schrecklich langweilig.
Ursula Priess: Sturz durch alle Spiegel. Ammann 2008 (**): die Tochter von Max Frisch erzählt von ihrem Vater. Literarisch bietet das Buch relativ wenig.
Zwei lesenswerte Romane aus Skandinavien: Kristin Steinsdottir: Eigene Wege. CH. Beck 2009, (***), die berührende Lebensgeschichte einer verwitweten Frau auf knapp 130 Seiten und : Per Petterson: Ich verfluche den Fluss der Zeit. Hanser 2009 (****), Wer „Pferde stehlen“ geliebt hat, wird auch von diesem Roman begeistert sein. Eine leise poetische Mutter – Sohn – Geschichte aus Oslo.
Peter Henisch: Der verirrte Messias. Deuticke 2009 (****), die Wiederkehr des Messias. Ja, Sie haben richtig gelesen: im neuen Roman von Henisch kehrt der Messias auf die Welt zurück. Ein gelungenes Roman-Experiment, witzig und angenehm zu lesen!
Friedrich Christian Delius: Die Frau, für die ich den Computer erfand. Rowohlt 2009 (****), die unglaubliche Geschichte des Konrad Zuse, der in den 40er Jahren den ersten Computer entwickelte! Witzig erzählt, ich habe viel gelernt, über Algorithmen beispielsweise und ich habe mir vorgenommen, wieder einmal den „Faust“ zu lesen!
Lea Gottheil: Sommervogel. Arche 2009 (****), die Geschichte einer Frau, die aus der Enge der Schweizer Bergwelt ausbricht und in Zürich ihr Glück versucht und dort die Liebe findet. Gleichzeitig ein Familienroman. Gut konstruiert, poetisch und ergreifend! Mein Tipp für den 2. Franz-Tumler-Preis 2009! (siehe dazu die Rubrik „News“)
Katrin Seglitz: Der Bienenkönig. weissbooks 2009 (***) Als die Mauer fällt, könnten zwei Brüder (der eine lebte im Westen, der andere im Osten) wieder zusammen finden, doch sie entzweien sich wegen eines Hauses. Eine deutsch-deutsche Familiengeschichte, erzählt von der Enkelin.
Esther Kinsky: Sommerfrische. Matthes & Seitz 2009 (***), ein heißer Sommer in Ungarn, viele Figuren (vor allem Verlierer und Suchende) bevölkern den Roman, aber es passiert sehr wenig, sprachlich hervorragend, sehr poetisch!
Oliver Bottini: Jäger in der Nacht. Scherz 2009, (***), ein gut gemachter Krimi aus Freiburg, sehr spannend!!
Verena Roßbacher: Verlangen nach Drachen. Kiepenheuer & Witsch 2009, (***), im Cafe Neugröschl in Wien treffen sich allerhand skurrile Figuren; ein Debüt mit Licht- und Schattenseiten: spachlich hervorragend, voller Witz, aber die vielen Geschichten zerfallen. Schade! Weniger wäre mehr gewesen. Vom Talent der Autorin kann man sich bei der Lesung überzeugen: www.zehnseiten.de
Aleksandar Hemon: Lazarus. Knaus 2009 (****), ein bosnischer Schriftsteller macht sich in Chicago auf die Suche nach dem Anarchisten Lazarus, gut konstruiert, gut geschrieben, ideale Ferienlektüre!
Anna Katharina Hahn: Kürzere Tage. Suhrkamp 2009, (****), ein gelungenes lesenswertes Debüt!
Olga Tokarczuk: Unrast. Schöffling 2009 (****), ein Buch über das Reisen, das Umherirren, ohne zusammenhängende Handlung, ein Buch für geübte Leserinnen und Leser!
Natascha Wodin: Nachtgeschwister. Kunstmann 2009, (***), eine Frau entdeckt einen Dichter aus der DDR, sie verliebt sich in ihn, schreibt ihm, er kommt zu ihr, sie leben zusammen, aber es wird zu einem Alptraum.
Jon Kalman Stefansson: Himmel und Hölle. Reclam 2009 (***), isländische Fischer im eisigen Nordatlantik
Judith Hermann: Alice. S.Fischer 2009 (***), fünf lose zusammenhängende Geschichten, die alle vom Tod handeln. Mein Urteil ist gespalten: einerseits bewundere ich die (nur scheinbar) einfache Sprache der Autorin, andererseits lässt mich der Inhalt ziemlich ratlos zurück!
Parulskis, Sigitas: Drei Sekunden Himmel. Claassen 2009 (****), beeindruckend: der Autor verarbeitet seine Erfahrungen als Fallschirmjäger in der Sowjetarmee!
Adorjan, Johanna: Eine exklusive Liebe. Luchterhand 2009 (****), Die Autorin erzählt vom Leben und Tod ihrer Großeltern, sehr zu empfehlen!!
Lizzie Doron: Es war einmal eine Familie. Jüdischer Verlag 2009 (***), eine lesenswerte jüdische Familiengeschichte!
Luis Leante: Liebst du mich. S.Fischer 2009 (***), eine schöne Liebesgeschichte, gut konstruiert; die ideale Lektüre für den Strand; allerdings: der Vergleich mit Ondaatjes „Englischem Patienten“ scheint mir sehr übertrieben zu sein!
Zyta Rudzka: Doktor Josefs Schönste. Ammann 2009 (****), Czechna ist im Altersheim, als junges Mädchen war sie „Miss Auschwitz“. Für mich ist dieses Buch eine Entdeckung, bewegend und sprachlich hervorragend!
Per Olov Enquist: Ein anderes Leben. Hanser 2009 (****), die beeindruckende Autobiographie des bekannten schwedischen Autors.
Olivier Adam: Nichts was uns schützt. Klett-Cotta 2009 (****), ein Buch über das Schicksal der illegalen Immigranten in Frankreich, das unter die Haut geht!
Michael Wallner: Die russische Affäre. Luchterhand 2009 (***), der Roman bietet einen sehr detaillierten Einblick in die Sowjetunion Ende der 70er Jahre
Jan Costin Wagner: Im Winter der Löwen. Eichborn 2009 (****), ein deutscher Autor, der einen finnischen Krimi schreibt??!! Gut konstruiert, sehr spannend, absolut zu empfehen!
John Griesemer: Herzschlag. Arche 2009 (***), ein Roman für Theater-Freaks!
Gaelle Guernalec-Levy: Eine Nacht im Frühling am Meer. Aufbau 2009 (**), sehr scharf gewürzt!!!
Ralf Rothmann: Feuer brennt nicht. Suhrkamp 2009 (****), ein lesenswertes Buch über den Werdegang eines Schriftstellers, seine Liebesaffären und über Berlin
Juli Zeh: Corpus Delicti. Ein Prozess. Schöffling 2009 (****), ein beeindruckendes und beängstigendes Buch über das Gesundheitswesen der Zukunft!
Lorenz Langenegger: Hier im Regen. Jung und Jung 2009 (****), ein gelungenes lesenswertes Debüt!
Walter Kappacher: Der Fliegenpalast. Residenz 2009 (***), ein Roman über den Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal; keine einfache, aber eine lohnende Lektüre
Susanne Heinrich: So, jetzt sind wir alle mal glücklich!. DuMont 2009 (*), drei Paare beim Polterabend im Hotel: viel Gequassel, wenig Tiefgang, garniert mit einer Prise Sex!
Sarah Kuttner: Mängelexemplar. S.Fischer 2009 (**), die Fernsehmoderatorin schreibt ein Buch über Depression. Der Inhalt mag authentisch sein, der Text liest sich flüssig, aber sprachlich bietet er absolute Magerkost! Von einem Roman erwarte ich mehr, als bloß eine gut geschriebene Geschichte!! Heutzutage kann/darf ja jeder Romane veröffentlichen. Es fällt auf, dass auf der Bestsellerliste viele Journalisten stehen: Roche, Kuttner, Glattauer
Thomas Klupp: Paradiso. Berlin Verlag 2009 (***), ein teilweise witziger „On-the-Road-“ und Pubertätsroman
Tracey Emin: Strangeland. Blumenbar 2009 (*), Tracey Emin soll besser bei ihrer Kunst bleiben und das Schreiben anderen überlasssen. Vergewaltigung, Drogensucht, Magersucht, radikaler Exhibitionismus: nichts lässt Emin aus. Für den Leser ist es kaum auszuhalten!
Julia Schoch: Mit der Geschwindigkeit eines Sommers. Piper 2009 (****), die Autorin erzählt in sehr eindringlichen Bildern von einer rätselhaften Frau und dem Ende der DDR.
Christoph Peters: Mitsukos Restaurant. Luchterhand 2009 (****), ein junger Deutscher lernt die Verwicklungen der Liebe und die japanische Küche kennen.
Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff. Suhrkamp 2009 (****), witzig erzählt, sprachlich ein Genuss! Mein Tipp für den Preis der Leipziger Buchmesse!
Veronique Olmi: Die Promenade. Kunstmann 2009 (****), endlich wieder ein guter Roman von V. Olmi! Diesmal erzählt sie von der russischen Großmutter, die sich an die Revolution und das alte Russland erinnert.
David Gilmour: Unser allerbestes Jahr. S.Fischer 2009 (****); Ein Vater erzählt über seine schwierige Bezieung zu seinem Sohn, der nicht mehr in die Schule gehen will. Humorvoll erzählt, hat mir sehr gut gefallen.
Alice Greenway: Weiße Geister. marebuch 2009 (****), ein schöner Adolsezenzroman aus Hongkong Ende der 60er Jahre; im Mittelpunkt stehen zwei Schwestern
Philip Roth: Empörung. Hanser 2009 (****), es ist schwierig, erwachsen zu werden, zu Beginn der 50er Jahre!
T.C. Boyle: Die Frauen. Hanser 2009 (***), der berühmte Architekt Frank Lloyd Wright und die Frauen; ein detailreiches Sittengemälde Amerikas aus der 1. Hälfte des 20. Jhds.
Jonathan Coe: Der Regen, bevor er fällt. DVA 2009 (***), ein ein gut geschriebener und einfach zu lesender Familienroman
Annegret Held: Fliegende Koffer. Eichborn 2009 (****), Die Ich-Erzählerin arbeitet im Sicherheits-Check eines großen Flughafens, es ist selten, dass man in der Literatur einen so ungeschminkten Blick auf die Arbeitswelt bekommt.
Jan Christophersen: Schneetage. marebuch 2009 (***), ein geglückter Debütroman aus dem Norden Deutschlands
Daniel Glattauer: Alle sieben Wellen. Deuticke 2009 (*), ich habe den Vorgänger „Gut gegen Nordwind“ nicht gelesen, die Fortsetzung „Alle sieben Wellen“ finde ich langweilig und banal; ich verstehe nicht, was daran schön und interessant sein soll, einen Roman zu lesen, der ausschließlich aus E-Mails besteht!!!
Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten. Hanser 2009 (****), ein typisches Genazino-Buch: ironisch, melancholisch
Robert Seethaler: Die weiteren Aussichten. Kein & Aber 2008 (****), eine umwerfend komische Liebesgeschichte aus der tiefsten deutschen Provinz
Gerbrand Bakker: Oben ist es still. Suhrkamp 2008 (****): ich sage nur eines: unbedingt lesen!
Steinunn Sigurdardottir: Sonnenscheinpferd. Rowohlt 2008 (****): eine sehr schöne Kindheitsgeschichte aus Island!
Zwei Romane aus Kuba: Pedro Gutierrez: Kein bisschen Liebe. Hoffmann und Campe 2008 (***): in meinem Literaturmenü gehört dieser schonungslos offene Roman zu den äußerst „pikant gewürzten Gerichten“; Leonardo Padura: Der Nebel von gestern. Unionsverlag 2008 (***): eien vergessene Bibliothek und die wilden 50er Jahre auf Kuba; angenehm zu lesen und spannend geschrieben.
Endlich! Der neue Roman von Daniel Kehlmann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten. Rowohlt 2009 (****), gut konstruiert, komisch, vielleicht etwas zu glatt erzählt, aber wie immer ein Lesegenuss!
Ursula Krechel: Shanghai fern von wo. Jung und Jung 2008 (***). Wo und wie wurde die Frühlingsrolle erfunden? Von einer Wiener Emigrantin in Shanghai 1928. Eein gut recherchierter Roman über jüdische Emigranten in Shanghai (Online-Lesung auf: www.zehnseiten.de)
Ich wollte den Roman Der Turm von Uwe Tellkamp (Deutscher Buchpreis) eigentlich nicht lesen (ich wollte mir 1000 Seiten DDR nicht antun), aber dann hat eine Bekannte von diesem Roman geschwärmt und ich habe angefangen zu lesen …
… und habe den Roman mit großem Genusss und Gewinn zu Ende gelesen. Mein Fazit: (****) ich bin begeistert! Sprachlich hervorragend, gut konstruiert, eine Vielzahl von Figuren und Geschichten, kurzum: der Roman hat alles, was man von einem großen Roman erwarten kann. Er hat zwar einige Längen und manche Geschichten haben mich nicht sonderlich interessiert, ich habe einfach darüber hinweggelesen, aber er ist ein würdiger Preisträger. Es passiert nicht oft, dass ein deutscher Autor es wagt, einen 1000-Seiten-Roman zu schreiben.
Pete Dexter: Paris Trout. Liebeskind 2008 (****), ein verstörender und spannender Roman aus dem Amerika der 50er Jahre.
Sebnem Isigüzel: Am Rand. Berlin Verlag 2008 (***), ein ungeschminkter Blick auf die Millionenmetropole Istanbul, im Mittelpunkt stehen zwei ganz unterschiedliche Frauen.
Endlich ein schönes Buch: Stefan Merrill Block: Wie ich mich einmal in alles verliebte. Dumont 2008 (****), sehr zu empfehlen!!
Das war ein enttäuschendes Wochenende: von den vier Büchern hat mich keines überzeugt: Jakob Hein: Vor mir den Tag und hinter mir die Nacht (*), Tom Drury: Die Traumjäger (*), Jutta Richter: Der Anfang von allem (*), Enno Stahl: Diese Seelen (**)
Marion Poschmann: Hundenovelle. Frankfurter Verlagsanstalt 2008 (****), einer arbeitslosen Frau läuft ein streunender Hund zu, und lässt sie nicht mehr los. Ein gelungenes Buch, mit lakonischem Witz und einer geschliffenen Sprache!
Zora Del Buono: Canitz’ Verlangen. marebuch 2008 (***), ein gelungenes Debüt, allerdings nicht jedermanns Geschmack, denn es geht um Wasserleichen; außerdem um ein Geheimnis aus der Familiengeschichte.
Ingo Schulze: Adam und Evelyn. Berlin Verlag 2008 (**); es gelingt dem Autor gut, die Atmosphäre kurz vor der Wende einzufangen. Mich hat das Buch nicht gerade vom Hocker gehauen!
John Green: Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen). Hanser 2008 (****), ein gelungener Adoleszenzroman, der auch Ansprüchen von Erwachsenen gerecht wird.
Muhatan Mungan: Tschador. Blumenbar 2008 (****), ein Mann kehrt nach Jahren in seine Heimat zurück, die sich in der Zwischenzeit in ein fundamentalistisches Land verwandelt hat, sehr eindringlich, trotz der Kürze!
Robert Olmstead: Der Glanzrappe. Eichborn – Die andere Bibliothek 2008 (*****), für mich die Entdeckung des Herbstes, ich habe selten eine so eindringliche Beschreibung der Krieges gelesen, unbedingt kaufen und lesen!
Yade Kara: Cafe Cyprus. Diogenes 2008. (***), die Fortsetzung von „Selam Berlin“, Hasan lebt nun im multikulturellen London, gut geschrieben, angenehm zu lesen!
Tilman Rammstedt: Der Kaiser von China. Dumont 2008, (***), ein guter Einfall, witzig erzählt!
Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten. Kiepenheuer & Witsch 2008, (**), die Idee ist faszinierend: die Schweiz ist eine Sowjetrepublik, aber das Thema ist wohl zu groß für den Autor, diese Art von Untergangsstimmung ist nicht mein Fall, und der „große Schweiz-Roman“, wie die FAS titelt, ist er schon gar nicht!
Denis Johnson: Ein gerader Rauch. Rowohlt 2008, (****), ein monumentales Werk über den Vietnam-Krieg, keine einfache Lektüre!
Julia Zange: Die Anstalt der besseren Mädchen. Suhrkamp 2008, (*); ein hochgelobtes Debüt; nicht mein Fall, dem Lob kann ich mich nicht anschließen!
Steven Galloway: Der Cellist von Sarajevo. Luchterhand 2008, (****) beeindruckend und berührend, das Schicksal der Menschen im belagerten Sarajevo und die Macht der Musik!
Maria Cecilia Barbetta: Änderungsschneiderei Milagros. S.Fischer 2008 (**), aspekte-Literaturpreis 2008, für meinen Geschmack zu dick aufgetragen, für mich war es kein Lesevergnügen, wie manche Rezensentinnen behaupten, sondern eher eine Quälerei.
Alina Bronsky: Scherbenpark. Kiepenheuer & Witsch 2008 (**), ein Debüt, das vom Verlag in den höchsten Tönen gelobt wird: Ich kann mich der Begeisterung nicht ganz anschließen. Der Roman fängt gut an: witzig, traurig, rasant, flacht aber zunehmend ab.
Jhumpa Lahiri: Einmal im Leben. Rowohlt 2008 (****), eine traurige Liebesgeschichte, gut konstruiert, sehr zu empfehlen!
Thomas von Steinaecker: Geister. Frankfurter Verlagsanstalt 2008 (**); eine Mischung aus Roman und Comic
Zülfü Livaneli: Glückseligkeit. Klett Cotta 2008 (***); ein Roman aus der Türkei, in dem die Widersprüche des Landes sehr klar zum Vorschein kommen. Hat mir sehr gut gefallen: ein spannender Roman! Manchmal etwas klischeehaft!
Aravind Adiga: Der weiße Tiger. C.H. Beck 2008 (***); die Geschichte des Aufsteigers Balram, die einen umgeschminkten Blick auf das Indien von heute wirft.
Anne Enright: Das Familientreffen. DVA 2008 (****), Booker-Preis 2007, eine irische Familiengeschichte, die mich sehr überzeugt hat: sprachlich, inhaltlich, sehr zu empfehlen!
Uwe Timm: Halbschatten. Kiepenheuer & Witsch 2008 (***), die Geschichte einer deutschen Fliegerin, viele Figuren aus der dt. Geschichte tauchen auf; das Ganze wirkt für mich etwas zusammenhanglos.
Iris Hanika: Treffen sich zwei. Droschl 2008 (****), nominiert für den Deutschen Buchpreis, eine witzige Liebesgeschichte aus Berlin-Kreuzberg
Finn-Ole Heinrich: Räuberhände. mairisch Verlag 2007 (****); ein schöner Adoleszenzroman!
Alan Bennett: Die souveräne Leserin. Wagenbach 2008 (*****); Was passiert, wenn die Queen die Freuden des Lesens entdeckt. Very british!!!
Michael Köhlmeier: Idylle mit ertrinkendem Hund. Deuticke 2008 (****); Wie geht man mit dem Tod der eigenen Tochter um? Und: Wie kann man darüber erzählen? Beispielsweise mithilfe einer Spiegelgeschichte, mit einem ertrinkenden Hund als Mittelpunkt. Eine kleine, feine, bewegende Erzählung!
Wilfried N’Sondè: Das Herz der Leopardenkinder. Kunstmann 2008 (erscheint im Sept.) (***)
Tim Binding: Cliffhanger. marebuch 2008 (***), ein witziges Buch zwischendurch; ein Krimi mit typisch englischem Humor
Ich habe angefangen, von Jonathan Littell: Die Wohlgesinnten. Berlin Verlag 2008, 1368 S., zu lesen: (siehe auch: www.diewohlgesinnten.de ), bin gespannt, ob die Behauptung von Claus Peymann, dieses Buch werde uns in den nächsten 50 Jahren beschäftigen, zutrifft, …
… habe bis heute ca. 700 S. gelesen: es entwickelt einen unglaublichen Sog, dem man sich kaum entziehen kann; das Buch ist faszinierend und abschreckend zugleich, auch wenn man manchmal gewünscht hätte, ein Lektor hätte eingegriffen und gekürzt, …
… bin jetzt auf Seite 1100: es geht dem Ende zu, manchmal ist die Lektüre mühsam, aber dennoch gewinnt man interessante und erschreckende Einblicke in die Vernichtungsmaschinerie der Nazis, …
habe es zu Ende gelesen: bin mir noch nicht sicher, was ich davon halten soll, ich brauche ein wenig Distanz …
Meine Meinung ist zwiespältig: das Buch ist unglaublich (manchmal zu) detailgenau, literarisch hat es mich nicht überzeugt, dennoch ist es ein großes Buch. Die Frage, ob nicht jede Generation sich fragen muss, ob sie nicht hätte Täter sein können, wird uns noch lange beschäftigen. Ich bin trotz aller Bedenken froh, das Buch gelesen zu haben. Es hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Ein Zitat aus dem Buch: Max Aue sagt: „Die wirkliche Gefahr – vor allem in unsicheren Zeiten – sind die gewöhnlichen Menschen, aus denen der Staaat besteht. Die wirkliche Gefahr für den Menschen bin ich, seid ihr.“ Zur Vertiefung empfehle ich den „Lesesaal“ zum Roman in der FAZ.
Paolo Giordano: La solitudine dei numeri primi. Mondadori 2008 (****): siehe „News“; hat mir sehr gut gefallen, absolut zu empfehlen!!
Rolf Lappert: Nach Hause schwimmen. Hanser 2008. (****): ein Geheimtipp, das richtige Buch für den Strand!
Siegfried Lenz: Schweigeminute. Hoffmann & Campe 2008 (***): für meinen Geschmack etwas zu dinstanziert, …
Michael Wallner: Die Zeit des Skorpions. cbt 2008 (***): Was machen Tuaregs in Südtirol? Die Antwort darauf gibt der Science-Fiction-(Jugend)-Roman von M. Wallner.
Zwei Familienromane wie sie unterschiedlicher nicht sein können:
Adam Davies: Goodbye Lemon. Diogenes (erscheint im Sept. 2008) (****): witzig böse und sarkastisch
Katharina Hagena: Der Geschmack von Apfelkernen. Kiepenheuer & Witsch 2008 (***): poetisch, langsam erzählt, manchmal an der Grenze zum Kitsch, aber vielleicht gefällt das Buch Frauen besser als Männern!
Tim Winton: Atem. Luchterhand 2008. (****), ein schöner Adoleszenzroman aus Australien, das passende Buch für den Sommer und für Surfer!
Jewgenij Grischowez: Das Hemd. Ammann 2008 (***), erscheint im Juli 08, ein russischer Architekt verliebt sich, ein witziger, rasanter Roman aus dem Moskau von heute …
Amos Oz: Verse auf Leben und Tod. Suhrkamp 2008 (***), ein Schriftsteller bei einer Lesung und was daraus entstehen kann, oder: wie und woraus entstehen Geschichten, ein Spiel zwischen Fiktion und Realität …
Francoise Dorner: Die Frau in der hinteren Reihe. Diogenes 2008 (***), erscheint im Oktober 2008, eine biedere Ehefrau verwandelt sich in eine femme fatale, …
Rafael Chirbes: Krematorium. Kunstmann 2008 (****), erscheint im Sept. 08
György Dragoman: Der weiße König. Suhrkamp 2008 (****) (ein schöner Adolezenzsroman aus Rumänien im Jahr 1986)
Carla Guelfenbein: Die Frau unseres Lebens. Insel 2008 (***)
Santiago Roncagliolo: Roter April. Suhrkamp 2008 (***)
Troy Blacklaws: Malindi. Liebeskind 2008 (****) (Unbedingt lesen!! Ein wunderbarer Adoleszenzroman aus dem Süafrika Ende der 7oer Jahre, sehr poetisch!)
Siri Hustvedt: Die Leiden eines Amerikaners. Rowohlt 2008 (****)
J.M. Coetzee: Tagebuch eines schlimmen Jahres. S.Fischer 2008 (*)
Hans-Ulrich Treichel: Anatolin. Suhrkamp 2008 (****)
Peter Stamm: Wir fliegen. Erzählungen. S.Fischer 2008 (****)
Cormac McCarthy: Kein Land für alte Männer. Rowohlt 2008 (***)
Nathan Englander: Das Ministerium für besondere Fälle. Luchterhand 2008 (***)
Karen Duve: Taxi. Eichborn 2008. (**)
Margriet De Moor: Der Jongleur. Hanser 2008 (***)
Mordecai Richler: Cocksure. Liebeskind 2008 (***)
Lukas Bärfuss: Hundert Tage. Wallstein 2008 (***)
T.C. Boyle: Zähne und Klauen. Erzählungen. Hanser 2008 (****)
Sherko Fatah: Das dunkle Schiff. Jung und Jung 2008 (****)
Thomas Pletzinger: Bestattung eines Hundes. Kiepenheuer & Witsch 2008 (**)
Yasmina Khadra: Die Sirenen von Bagdad. Nagel & Kimche 2008 (****)
Alek Popov: Die Hunde fliegen tief. Residenz 2008 (****)
Assaf Gavron: Ein schönes Attentat. Luchterhand 2008 (***)
Manfred Rumpl: Ihr Mann und der Fremde. Luftschacht 2008 (**)
Sara Gruen: Wasser für die Elefanten. DuMont 2008 (***)
Martin Kluger: Der Vogel, der spazieren ging. DuMont 2008 (***)
Edward St.Aubyn: Nette Aussichten. Dumont 2008 (***)
Ulrich Peltzer: Teil der Lösung. Ammann 2007 (***)
Uzodinma Iweala: Du sollst Bestie sein! Ammann 2008 (****)
Feridun Zaimoglu: Liebesbrand. Kiepenheuer & Witsch 2008 (**)
Michael Kumpfmüller: Nachricht an alle. Kiepenheuer & Witsch 2008 (**)
Francois Vallejo: Monsiuer Lambert und die Ordnung der Welt. Aufbau 2008 (****)
Thea Dorn: Mädchenmörder. Ein Liebesroman. Manhattan 2008 (*)
Jenny Erpenbeck: Heimsuchung. Eichborn 2008 (****)
Philip Roth: Exit Ghost. Hanser 2008 (***)
Martin Suter: Der letzte Weynfeldt. Diogenes 2008 (*)
Nick Hornby: Slam. Kiepenheuer & Witsch 2008 (**)
7 Kommentare »
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Entries and comments feeds.
Toll!!!! Ich lese gerade „Die Mittagsfrau“ fertig, weil die Schule zu viel Zeit einnimmt, und das Lesen zu kurz kommt.
Kommentar von Renate — März 10, 2008 #
Hallo, möchte jemand die Bücher, die wir bis zum nächsten Mal lesen , austauschen? Das heißt, dass jeder nur eines kauft und dann weiterleiht.
Kommentar von Renate — April 11, 2008 #
Mein Lieblingsbuch des vorigen Jahres ist „Tausend strahlende Sonnen“ von Khaled Hosseini. Es hat mich so gefesselt, dass ich es in ganz kurzer Zeit gelesen habe. Inhaltlich und sprachlich sehr gut.
Kommentar von Renate — Juni 14, 2008 #
Ich lese: Il tailleur grigio von A. Camilleri
Adele trägt das graue Kleid nur zu bestimmten Anlässen……
Kommentar von Renate — September 2, 2008 #
Zu „Die Bücherdiebin“: Die italienische Übersetzung heißt : “ La bambina che salvava i libri“, also hat sie die Bücher gerettet und nicht gestohlen.
Ein Satz, der mich beeindruckt hat: Sie sagte Lebwohl, ohne es zu wissen.
Und warum versucht wohl der Tod zuerst die Farben zu sehen und dann die Menschen?
Kommentar von Renate — September 27, 2008 #
Ich lese „La solitudine dei numeri primi“ von Paolo Giordano .
Kommentar von Renate — Dezember 11, 2008 #
Zu „Wintergewölbe“: In Erinnerung geblieben sind mir der Vater, der die Spielsachen der Kinder aus der Nachbarschaft repariert; die Tasche mit den Erinnerungen, die zurückbleibt; die Frau, die Blumen pflanzt und alles im Notizbuch vermerkt, damit sie den Ort wieder findet. Gefallen hat mir, dass beide zum Grab ihres Kindes zurückkehren. Ich habe mir früher unter Wintergewölbe nichts vorstellen können. Gefallen hat mir auch, dass man versucht, etwas festzuhalten, was man nicht erreichen kann; und dass alles, was aus Liebe zustande kommt, lebt.
Kommentar von Renate Rizza — November 6, 2009 #